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2018 – aus der Serie: "Wie ich überhaupt zum Rennradfahren kam und was daraus wurde…!"

Aktualisiert: 6. Juli 2020

Aber es hörte nicht auf. Die nächste Inspiration bekam ich von einem Camping-Freund: Er erzählte mir mit voller Begeisterung & Leidenschaft, dass er schon mal von Aachen zur Nordsee gefahren ist: rund 250 km! Wow, dachte ich mir. Echt heftig, aber müsste doch eigentlich gehen. Meine Neugier und mein innerer Antrieb, diese Herausforderung anzugehen war riesig: Gesagt getan. Einigermaßen vorbereitet war ich ja nun und Erfahrung hatte ich ja auch gesammelt. Also Tour planen und Rennrad am Abend klar machen: Klamotten zurecht legen, Luft prüfen, Flickzeug für die Reifen und Werkzeug einpacken, Flaschen auffüllen, Front- und Rücklicht montieren (denn es sollte früh losgehen), Müsliriegel ohne Ende, Handy-Halterung fertig, Powerbank eingepackt und Kabel verlegt, Wecker gestellt und ab ins Bett.

4 Uhr – der Wecker klingelt, Katzenwäsche, mehrschichtige Radklamotten an (denn morgens ist es noch recht frisch), mit einer großen Schüssel Müsli, einer Banane, etwas O-Saft und 2 Scheiben Toast eine ordentliche Grundlage an Kohlenhydraten schaffen.




5 Uhr ab aufs Rennrad – schon komisch um diese Uhrzeit durchs Wohngebiet zu fahren. Nicht wirklich viele unterwegs, alles ruhig, nur das Gefühl mit 250 km vor der Brust machte mich doch etwas unruhig. Schaffe ich das? Was, wenn nicht? Was mache ich dann? Und so weiter und so weiter…! Somit hieß es meine Gedanken aktiv zu steuern:

Also erstmal an das nächste Etappenziel denken und das ist Maastricht in schlappen 35 km, das tut dem Kopf gut und entspannt. Außerdem geht es die ersten Kilometer leicht bergab. Es rollte phantastisch bis Maastricht.

Danach lenke ich mein Bike und meine Gedanken in Richtung Antwerpen, ab jetzt geht es 130 km am Albert Kanal entlang auf einem traumhaften Radweg immer direkt am Wasser. Hier können die Gedanken einfach schweifen, ab und zu mal ein Radfahrer oder ein Läufer und immer wieder die Schifffahrt auf dem Kanal und das Rasseln meiner Kette. Einfach traumhaft – fast schon meditativ.


Nach 165 km gibt es in Antwerpen eine wohlverdiente Pause mit einem ordentlichen Sandwich, 3 neuen Flaschen Gatorade (1 zum Trinken, die anderen beiden zum Auffüllen meiner Radflaschen) und zum Abschluss einen Kaffee. Das tut gut.





Jetzt mit gefüllten Kohlenhydratspeicher weiter quer durch Antwerpen und dann etwa 1 km unter der Schelde durch den Fußgänger-Tunnel (Sint-Annatunnel). Auf der anderen Seite der Schelde angekommen, erlebe ich ein ganz anderes Flair von Antwerpen. Es ist völlig ruhig. Kurz orientieren, mit einem Blick auf mein Navi und wieder rauf aufs Rad in Richtung Nordsee: Die letzten 90 km rufen (psychologisch ganz wichtig – unter 100 km!). Von nun an ist es ein Wechselspiel zwischen Erleichterung, weil das Meer immer näherkommt und einer kräftezehrenden Tour, weil der Wind der See ausgerechnet von vorne kommt und die Beine schließlich schon knapp 200 km Arbeit geleistet haben.

Aber vorbei an lauschigen niederländischen Bauernhöfen und riesigen Feldern ist das Ziel so attraktiv, dass es die letzten Kräfte mobilisiert. Auf den letzten Kilometern kurz vor meinem Ziel überhole ich sogar noch einen Rennradfahrer, der offensichtlich seine kleine Hausrunde dreht und ich denke mir noch, „wenn der wüsste, wo ich herkomme“, und radele grüßend und stolz weiter an ihm vorbei. Und dann ist es soweit, noch eine kleine Anhöhe und dann liegt der kleine schnuckelige Yachthafen von Breskens vor mir. Ich habe es geschafft! Zum ersten Mal mit eigener Kraft von Aachen zur Nordsee: 256,24 km an einem Stück in 10:40:05 Stunden – einer abwechslungsreichen und hoch emotionalen Fahrt. Ich bin kaputt und glücklich und stolz hier mit meinem Bike direkt am Meer zu stehen.

Was für eine Tour…!


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